Die Frage, die jedes Unternehmen stellen sollte

Cybersicherheitsschulungen sind Pflicht. NIS2, DSGVO und ISO 27001 verlangen, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden regelmäßig schulen. Aber in welchem Format? Reicht ein Online-Kurs? Muss es ein Präsenzseminar sein? Die Antwort ist weniger eindeutig, als viele Anbieter behaupten.

Die meisten Unternehmen stehen vor einer praktischen Entscheidung: Sie haben begrenzte Budgets, begrenzte Zeit und Mitarbeitende an verschiedenen Standorten. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen. Das Format der Schulung ist nicht nur eine methodische Frage. Es bestimmt, ob Inhalte ankommen, ob Nachweise belastbar sind und ob sich die Investition lohnt.

Dieser Artikel vergleicht beide Formate sachlich. Ohne Pauschalurteile. Denn die richtige Antwort hängt von Ihrem Unternehmen ab.

E-Learning: Vorteile und Grenzen

E-Learning bedeutet digitale Schulungsmodule, die Mitarbeitende eigenständig am Rechner durcharbeiten. Die Formate reichen von einfachen Textmodulen über interaktive Szenarien bis zu Videokursen mit Wissenstests.

Was für E-Learning spricht

Wo E-Learning an Grenzen stößt

Präsenzschulung: Vorteile und Grenzen

Präsenzschulungen finden vor Ort statt, geleitet von einem Trainer. Das kann ein internes Seminar sein oder ein externer Workshop. Seit der Pandemie zählen auch Live-Webinare mit interaktiven Elementen zu dieser Kategorie.

Was für Präsenzschulungen spricht

Wo Präsenzschulungen an Grenzen stoßen

Was die Regulatorik verlangt

Weder NIS2 noch DSGVO noch ISO 27001 schreiben ein bestimmtes Schulungsformat vor. Die Gesetze fordern Ergebnisse: nachweisbare Kompetenz, regelmäßige Sensibilisierung und belastbare Dokumentation.

Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass die Leitungsorgane wesentlicher und wichtiger Einrichtungen an Schulungen teilnehmen und allen Beschäftigten regelmäßig entsprechende Schulungen anbieten. — Art. 20 Abs. 2 NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555)

Für Auditoren zählt nicht das Format. Es zählt, ob Sie nachweisen können, dass geschult wurde, wer teilgenommen hat und ob die Inhalte verstanden wurden. Ein E-Learning-Modul mit Wissenstest und automatischem Zertifikat erfüllt diese Anforderung genauso wie eine Präsenzschulung mit Teilnehmerliste und Lernzielkontrolle.

In der Praxis hat E-Learning bei der Nachweisführung sogar einen Vorteil: Die Dokumentation ist lückenlos und manipulationssicher. Kein vergessener Unterschriftenzettel, kein verlorener Ordner.

Blended Learning: Der pragmatische Mittelweg

Die Entweder-oder-Frage führt in die Irre. Die wirksamste Strategie kombiniert beide Formate. In der Fachliteratur heißt das Blended Learning.

Ein bewährtes Modell für Cybersicherheitsschulungen sieht so aus:

  1. E-Learning als Basis: Alle Mitarbeitenden durchlaufen ein standardisiertes Online-Modul. Themen: Passworthygiene, Phishing-Erkennung, Meldewege bei Vorfällen. Das schafft ein einheitliches Grundwissen.
  2. Präsenz-Workshop für Vertiefung: Abteilungsleiter, IT-Verantwortliche und die Geschäftsleitung nehmen an einem halbtägigen Workshop teil. Hier werden unternehmensspezifische Szenarien durchgespielt.
  3. Phishing-Simulation als Praxistest: Regelmäßige simulierte Phishing-Mails prüfen, ob das Gelernte im Alltag ankommt. Wer auf den Link klickt, erhält eine gezielte Nachschulung.
  4. Jährliche Auffrischung per E-Learning: Die Pflichtschulung wird jedes Jahr als kompaktes Online-Modul wiederholt. Neue Bedrohungen und regulatorische Änderungen werden eingearbeitet.

Dieses Modell ist kosteneffizient, skalierbar und trotzdem wirksam. Die Basisschulung erreicht alle. Die Vertiefung erreicht die, die sie brauchen. Die Simulation prüft die Wirksamkeit.

Entscheidungshilfe: Welches Format wann?

Die Wahl des Formats hängt von drei Faktoren ab:

1. Zielgruppe. Für die breite Belegschaft ist E-Learning das effizientere Format. Für Führungskräfte und IT-Teams lohnt sich die Präsenzschulung. NIS2 verlangt explizit, dass die Geschäftsleitung geschult wird. Ein interaktiver Workshop ist hier deutlich wirkungsvoller als ein Klick-Kurs.

2. Thema. Standardisierte Pflichtinhalte wie Datenschutzgrundlagen oder Passwortsicherheit eignen sich gut für E-Learning. Komplexe Themen wie Incident Response, Business Continuity oder Social Engineering profitieren von der Interaktion einer Präsenzschulung.

3. Unternehmensgröße. Ab etwa 50 Mitarbeitenden wird die reine Präsenzschulung unwirtschaftlich. Die Koordination frisst mehr Ressourcen als der Inhalt. E-Learning als Grundlage mit gezielten Präsenzelementen ist dann der sinnvollere Weg.

Worauf Sie bei der Umsetzung achten sollten

Unabhängig vom Format gelten vier Grundregeln:

Nachweise dokumentieren. Jede Schulung braucht einen belastbaren Nachweis. Bei E-Learning geschieht das automatisch. Bei Präsenzschulungen müssen Sie aktiv dafür sorgen: Teilnehmerlisten, unterschriebene Bestätigungen, Fotos der Agenda reichen als Minimum.

Regelmäßigkeit einhalten. Eine einmalige Schulung reicht nicht. NIS2 und ISO 27001 verlangen regelmäßige Wiederholung. Planen Sie feste Intervalle ein: mindestens jährlich für die Basischulung, halbjährlich für Phishing-Simulationen.

Wirksamkeit prüfen. Eine Schulung ohne Erfolgskontrolle ist aus Auditorensicht wertlos. Integrieren Sie Wissenstests in E-Learning-Module. Führen Sie nach Präsenzschulungen kurze Abfragen durch. Messen Sie die Klickrate bei Phishing-Simulationen.

Inhalte aktuell halten. Bedrohungslagen ändern sich. Regulatorische Anforderungen ändern sich. Schulungsinhalte von vor zwei Jahren sind nicht mehr belastbar. Aktualisieren Sie Module mindestens jährlich.

Plattformen wie Titan unterstützen beide Formate: E-Learning-Module lassen sich direkt über die Plattform ausrollen, Präsenzschulungen werden als Veranstaltung dokumentiert. Nachweise, Fristen und Abschlussquoten sind zentral einsehbar. So bleibt die Nachweisführung konsistent, egal welches Format Sie wählen.